Baumsachverständiger Ingo Kessler Leidenschaft für Bäume
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01/2020 Der Baum des Jahres 2020: Die Robinie

01/2020

Der Baum des Jahres 2020: Die Robinie

Die ursprünglich aus Nordamerika stammende Robinie (bei manchen auch „Scheinakazie” – NICHT „Akazie”) ist der Baum des Jahres 2020

Als Vertreterin der Hülsenfrüchte, also der sogenannten „Leguminosen”, ist die Robinie mit Hilfe sogenannter Knöllchenbakterien dazu imstande, verstärkt Stickstoff aus der Luft aufzunehmen und diesen dem Boden zuzuführen. Eine Fähigkeit, die man sich bei krautigen Vertretern der Hülsenfrüchte in Form einer sogenannten „Gründüngung” in der Landschaftspflege und Landwirtschaft bewusst zunutze macht. Diese werden ausgesät und nach Abgabe des Stickstoffs in den Boden eingearbeitet.

Wo krautige Vertreter der „Leguminosen″ dies großflächig im kleinen Stil machen, macht es die Robinie auf kleiner Fläche in großem Stil. Dadurch können besonders stickstoffarme Flächen für andere Gehölze attraktiver gemacht werden, da Stickstoff ein für das Wachstum von Pflanzen wichtiger Nährstoffe ist.

Weil die Robinie jedoch auch gerne zur Ausbildung von Totholz neigt und beim Befall durch manche holzzersetzenden Pilze, wie zum Beispiel dem Schwefelporling, auch zu einem plötzlichen Umsturz neigt, muss ihre Verwendung im urbanen Bereich jedoch auch etwas infrage gestellt werden, bzw. bedarf in jedem Fall einer regelmäßigen Kontrolle.

Ein Vorteil der Robinie im städtischen Bereich ist jedoch eindeutig ihre hohe Toleranz gegenüber Schadstoffemissionen und Streusalzen, sowie ihre hohe Toleranz gegenüber verschiedenen Bodenverhältnissen, wie zum Beispiel sehr nährstoffarmen Standorten. Einen weiteren ökologischen und gestalterischen Reiz übt zweifellos die Blütenpracht der Robinien aus. Große, weiße doldenartige Trauben hängen am gesamten Baum, und bereits sehr junge und wild ausgetriebene Robinien blühen schon in den ersten Jahren sehr intensiv.


Mit einer Höhe von bis zu 25 m und einem Jahreszuwachs von 50-100 cm entwickeln sie sich verhältnismäßig schnell zu stattlichen Bäumen. Sie gelten als sehr frosthart und besonders beständig gegen Hitze und Dürre. Ihre Blätter, Früchte, Samen und Rinde sind für den Menschen giftig, ebenso ihre Wurzeln.